| Postverkehr des Offiziergefangenenlagers Trier
Von Rolf Bechtler
Allgemeines
In Trier befanden sich während des Ersten
Weltkrieges ein Offizier-Gefangenenlager (Oflag) und weitere
Gefangenenlager für Mannschaften und Unteroffiziere. Das Datum der
Lagereröffnungen ist z. Zt. unbekannt, vermutlich 1914/15.
Das Oflag wurde in der Agnetenkaserne am
Palastplatz (Abb. 1), ein Lager für französische Kolonialsoldaten in
den provisorischen Unterkunftsbaracken des Regiments Jäger zu Pferde
Nr. 8 in der Eurener Straße (Abb. 2) eingerichtet. Das Oflag ist
postalisch nachweisbar, aus dem anderen Lager ist mir keine Post
bekannt.
|

|

|
|
Abbildung 1
|
Abbildung 2
|
Die Ansichtskarte zeigt einen Teil der
provisorischen Kaserne des Jägerregiments vor Kriegsausbruch. Diese
Baracken dienten später als Kriegsgefangenenlager (französische
Kolonialsoldaten).
|

|
Abbildung 3 |
Die Kriegsgefangenen wurden entweder in Trier in
das Kriegsgefangenenlager weitergeleitet oder sie erhielten eine
warme Mahlzeit vor der Weiterfahrt. Auf der Ansichtskarte (Abb. 3)
sind Soldaten (Bewachung) vom Regiment 117, belgische Gefangene im
Waggon und deutsche Verwundete mit Sanitätern zu sehen.
Komplexe Veröffentlichungen über das Oflag Trier
sind in der mir vorliegenden Trierer Heimat-Literatur nicht zu
finden. Ich danke dem Trierer Heimatforscher Adolf Welter für die
entsprechenden Hinweise zur Lokalisierung des Oflag und den Angaben
zum Lager für französische Kolonialsoldaten.
Es gibt aus dem Oflag zum einen Feld- / Dienstpost
der Deutschen und die Kriegsgefangenenpost der Insassen.
Feldpost der Deutschen
Post der Bewachungs- und Verwaltungsmannschaft
wurde zur Kenntlichmachung der Portofreiheit (Feldpostberechtigung)
zunächst mit einem Einkreisstempel "Kgl. Pr. Garnison Kommando
Trier" mit "Adler" (1914) (Abb. 4) danach mit dem Zweikreisstempel
"Offizier-Gefangenenlager Trier Briefstempel" versehen (bis 1918)
(Abb. 5). Die einzelnen Verwendungsdaten sind noch nicht bekannt.
|

|

|
|
Abb. 4
|
Abb. 5
|
|

|
Abb. 6
Briefstempel des Oflag Trier zur Kennzeichnung der
Feldpost-Berechtigung (und damit Portofreiheit) des deutschen
Lagerpersonals. |
Kriegsgefangenenpost
Sämtliche Post der Kriegsgefangenen wurde von der
deutschen Zensur im Lager geprüft. Als Prüfstempel wurden zunächst
L2 "Kriegsgefangenensendung geprüft" verwendet (Abb. 7)
|

|

|
|
Abb. 7 |
Abb. 8 |
Ab 1917 (?) wurde dieser "Zweizeiler" durch einen
Zweikreisstempel "Offizier-Gefangenenlager Trier Geprüft FA"
abgelöst (Abb. 8).
Zum Zusatz "FA":
Im Briefverkehr der Kriegsgefangenen war mit Erlaß vom 11. November
1914 geregelt, daß aus Gründen der Sicherheit die Absendung der
Briefe der Kriegsgefangenen erst 10 Tage, nachdem sie geschrieben
sind, erfolgen sollte. Die Überwachung dieser vorgegebenen Frist war
allerdings in der Praxis aus verschiedenen Gründen nicht immer
möglich. Daher folgte am 11. Januar 1915 ein Befehl des
Kriegsministeriums, die Kriegsgefangenenpost vor der Weitergabe mit
einem Stempel zu versehen, der den Ablauf der zehntägigen Frist
sofort erkennen ließ. In diesem Stempel musste der Vermerk F.A.
enthalten sein. F.A. bedeutet: "Frist abgelaufen".
|

|
Abb. 9 |
Die Kriegsgefangenenpost wurde oft mit einem
zusätzlichen Stempel "Abs + Datum" (1917/1918) versehen. Er diente
als Hinweis, wann die Frist von 10 Tagen abgelaufen ist (Abb. 09).
Lagerzensurstempel mit integrierter
Zensornummer
Bisher wurden 10 verschiedene Lagerzensurstempel registriert. Sie
sind von 1 bis 10 numeriert, haben alle die gleiche Form und Größe
und die gleiche Beschriftung "Offizier Gefangenenlager Trier Geprüft
+ Zensornummer". Die Verwendungszeit ist bisher von 1917 bis 1918
nachgewiesen, die Stempelfarbe wechselte. Es liegen Abschläge in
rot, schwarz und violett vor (Abb. 10).
Weiterhin ist ein Einkreisstempel "O. L." in der
Literatur (Rundbrief Arge Zensurpost 06.91), erwähnt. Bedeutung des
Stempels ist noch nicht bekannt (Offizier Lager?) (Abb. 11).
|

|
Abb. 11 |
Im Oflag Trier wurden vorgedruckte Postkarten
(Abb. 12) an die Kriegsgefangenen verteilt. Sie dienten der
Vereinheitlichung, auch der Zensor hatte es einfacher.
|

|
Abb. 12
Vordruckpostkarte für Kriegsgefangene nach Frankreich, mit
Lagerzensurstempel des Zensors Nr. 8, Hinweisstempel für die
Absendung 2. Feb 18 (Fristablauf) und Prüfstempel mit Zusatz
"FA" |
Des weiteren wurden Briefumschläge an die
Gefangenen ausgegeben, bei denen die Verschlußklappe mit dem Hinweis
"Kriegsgefangenensendung" und den allgemeinen Absenderangaben
vorgedruckt waren (Abb. 13 und 14).
|

|

|
|
Abb. 13, Rückseite des Briefes
(Abb. 14) mit Vordruck auf Briefverschlußklappe
|
Abb. 14, Kriegsgefangenenbrief aus dem Oflag Trier nach
Frankreich Mai 1918
|
Dieser Brief wurde von der Prüfstelle des Oflag
Trier bearbeitet, was durch die verschiedenen Prüfstempel
ersichtlich ist. Die unterschiedlichen Stempelfarben lassen
folgenden Bearbeitungsgang erkennen:
- 1. Prüfung des Briefes durch den Zensor mit der
persönlich zugeteilten Nr. 9 (damit war klar, welche Person aus
der Prüfstelle die Verantwortung für diesen Brief hatte),
- 2. Hinweisstempel wann die "Frist abgelaufen
ist"
- 3. Prüfstempel des Lagers mit Vermerk "Geprüft
F. A."
Kriegsgefangenensendungen ins Ausland - keine Lagerpost!
Ob der nachfolgend gezeigte Beleg im OFLAG Trier
geprüft wurde, läßt sich im ersten Moment vermuten, es ist aber
nicht so (Abb. 15).
|

|

|
|
Abb. 15
|
|
Absender ist offensichtlich eine Privatperson, die
in einer Trierer Pension wohnte und an das Französische Rote Kreuz
in Paris schrieb. Die Kennzeichnung "Kriegsgefangenenpost" diente
der Portofreiheit, denn nicht nur Post an Gefangene direkt war
portofrei, sondern auch Post in Zusammenhang mit Nachforschungen u.
ä. Hier handelte es sich wohl um einen Deutschen in französischem
Gewahrsam. Für solche Post war das Oflag NICHT zuständig, weder für
die Beförderung noch für die Prüfung!
Solche Post ins Ausland wurde bei den
"Auslandspostüberwachungsstellen" geprüft.
Im Falle von Post von / an deutsche Gefangene in
Frankreich war für die Prüfung grundsätzlich die
Auslandspostüberwachungsstelle Karlsruhe zuständig. Von dieser
stammt auch der Prüfstempel, auch wenn der vorliegende Stempeltyp
bisher in der Literatur nicht genannt wurde.
Der Brief hat - trotz Ortsgleichheit - also nichts mit dem Oflag
Trier zu tun.
Verzeichnis der Abbildungen
- Abbildungen 4, 7 und 11 aus Rundbrief AGZ 06/91
- Abbildung 1, 12 Sammlung Steffny
- Abbildungen 2, 3, 5, 6, 8, 9, 10, 13, 14, 15
aus Sammlung des Verfassers
Verwendete Literatur
- Adolf Welter: Die Luftangriffe auf Trier im
Ersten Weltkrieg 1914-1918, ISBN-Nr.: 3-923575-19-X
- Arbeitsgemeinschaft Zensurpost: AGZ-Rundbrief
68/1991, Anlage 2
Ich danke Herrn Wolfgang Vogt, Leiter der Arge
Zensurpost, für die fachliche Unterstützung. |