| Postverkehr zwischen dem Gebiet der Deutschen
Reichspost und den Vereinigten Staaten von Amerika 4.5.1871 -
31.12.1875 von Hansmichael Krug,
Frankfurt am Main
Die verschiedenen Transitwege - der schnelle
Weg über Großbritannien - unzureichend frankiert
Unfrankierter Brief von MÜNCHWEILER 2
FEB (1875) über Aachen nach Liverpool, von dort mit dem Dampfer "Parthia"
der Cunard Line nach New York und weiter nach Dayton (Ohio). Zur
Kennzeichnung trägt er den neu eingeführten Rahmenstempel "Unfrankirt"
vom E P B 10 Cöln-Verviers. Mit Blautaxe "16" und Stempel NEW YORK
FEB 19 / U.S. CURRENCY / DUE 16 gekennzeichnet, der im Februar 1875
14 Cent (auf Golddollarbasis), dem Porto für unfrankierte Briefe bis
15 Gramm entsprachen.
4 Kr. (statt 10 Kr.) auf
unterfrankiertem Brief von HEIDELBERG 22/2 74 (Sonntag) mit
zweizeiligem Rahmenstempel "Unzureichend frankirt" über Aachen -
Ostende - London nach Southampton. Dort erreicht der Brief den am
vergangenen Samstag in Bremen abgegangenen Dampfer "Donau" des
Norddt. Lloyd und ist am 9.3. in New York. Dort erhält er den
Stempel NEW YORK/ U.S.CURRENCY / DUE 13. Das Porto für unzureichend
frankierte Briefe via Belgien und England beträgt 14 Cent. Abzüglich
der verklebten Frankatur (4 Kr. werden als 1 Gr. umgerechnet,
entspr. aufgerundet 2,5 Cent) sind 11,5 Cent einzuziehen.
Multipliziert mit dem Umrechungsfaktor von 1,12 für Notes ergeben
sich 13 Cent Porto, die beim Empfänger in Pennsylvania eingezogen
wurden.
Kennzeichnung durch den zweizeiligen
Rahmenstempel "Unzureichend frankirt."
2½ Gr. statt 3 Gr. auf Brief bis 15
Gramm von BERLIN 22.11.1874 (Sonntag) via England nach USA. Der
Brief hat einen handschriftlichen Vermerk "Kastenbrief" und trägt
neben dem Ra2 "Unzureichend frankirt" den Ra1 "DUE" und die
Taxziffer "9", sowie rückseitig den Kreisstempel NEW YORK DEC 8 BR
TRANSIT. Der Brief wurde über Aachen - Ostende - London - nach
Southampton spediert, wo er mit dem Dampfer "Hansa" des
Norddeutschen Lloyd, der am vergangenen Samstag in Bremen abgegangen
war, nach New York weiterbefördert wurde.
Die Nachgebühr errechnet sich aus dem Porto für
einen unfrankierten Brief über England von 14 Cents abzüglich der
verklebten Frankatur (2½ Gr. = 6 Cents). 14 Cents - 6 Cents = 8
Cents mal dem Umrechnungsfaktor (Notes 1,12) entspricht ca. 9
(Cents) dem Betrag des Taxstempels.
1 Gr.-Ganzsachenumschlag mit hds.
Vermerk "Ungenügend frankirt aus dem Briefkasten". Der Brief wurde
über England mit dem Dampfer "Russia" der Cunard Line nach New York
und auf dem Landweg weiter nach San Francisco befördert.
Die Nachgebühr errechnet sich aus dem Porto für
einen unfrankierten Brief über England (14 Cents) abzüglich der
Frankatur (1 Gr. = 2,4 Cents). 14 - 2,4 = 11,6 mal Umrechnungsfaktor
für Notes (1,07) aufgerundet auf 13 Notes, den Betrag, den der
Kreisstempel NEW YORK 13 U.S. NOTES auf dem Umschlag angibt.
9 Kr. statt 10 Kr. auf Brief bis 15
Gramm aus Baden mit Ra2 "Unzureichend frankirt" via England mit dem
Dampfer "Calabria" der Cunard Line nach USA. In New York erhielt der
Brief die Taxziffer "9" und rückseitig den Kreisstempel NEW YORK MAR
/ BR TRANSIT. Die Nachgebühr von 9 Cents errechnet sich aus dem
Porto für unfrankierte Briefe via England abzüglich der verklebten
Frankatur. Die 9 Kreuzer entsprechen 2½ Gr. und d.h. 6 Cents. 14 - 6
= 8 mal Umrechnungsfaktor (Notes 1,07) aufgerundet 9 (Cents).
9 Kr. auf Brief aus der gleichen
Korrespondenz, ebenfalls vom Absender mit "Via England" deklariert
und daher mit dem alten badischen Ra2 "FRANCO reicht nicht"
gestempelt. Das übernehmende Eisenbahnpostbüro spediert den Brief
allerdings nach Bremen. Er erhielt dort zur Berichtigung den grauen
L1 FRANCO und wurde mit dem Dampfer "Rhein" des Norddt. Lloyd nach
USA befördert und erhielt in New York den roten EKr PAID ALL vom
22.3., da der Brief für diesen Transitweg richtig frankiert war.
Der Grund für die Umleitung war die kürzere
Laufzeit. Der Anschluss über Köln - Aachen - Ostende nach Liverpool
an Schiffe der Imman Line hätte die Ankunft des Briefes in New York
erst am 23.3. ermöglicht.
Kennzeichnung durch den zweizeiligen
Schreibschrift Rahmenstempel
von Aachen mit dem Merkmal "Schlaufe bei U oben durchgezogen"
9 Kr. (MiNr. 27c) statt 10 Kr. auf Brief
bis 15 Gramm von BADEN 20 DEZ (1873) via England mit dem Dampfer
"City of Brooklyn" der Imman Line nach USA. Zur Kennzeichnung trägt
der Brief den alten badischen Ra2 "FRANCO reicht nicht" und den
zweizeiligen Schreibschrift-Rahmenstempel "Unzureichend frankirt"
von Aachen sowie in New York den Taxstempel "9", der auf der Marke
aufgesetzt wurde.
9 Kr. statt 10 Kr. auf Briefvorderseite
der 1. Gew. Stufe von MANNHEIM 4 4 74 via England nach Lebanon
(Illinois, USA) mit zweizeiligem Schreibschrift-Rahmenstempel
"Unzureichend frankirt" von Aachen. In den USA erhielt der Brief den
Ra1 "DUE" und den Taxstempel "9". Die Nachgebühr errechnet sich bei
beiden Briefen aus dem Porto für einen unfrankierten Brief via
England von 14 Cents abzüglich der verklebten Frankatur von 9
Kreuzer (entsprechen 2½ Gr., Rötelangabe neben der Marke)
umgerechnet 6 Cents. 14 Cents - 6 Cents = 8 Cents mal
Umrechnungsfaktor (Notes oben 1,13 unten 1,12) entspricht ca. 9
Cents, die beim Empfänger eingezogen wurden.
Irrtümliche Leitung nach England und
Kennzeichnung der Weitersendung als unfrankierter Brief mit dem
Zweizeiler

Briefe mit diesem Stempel (Open mail) sind für die
Weitersendung als unfrankiert deklariert und kosten den Empfänger
eine deutlich höhere Nachgebühr, als wenn der Brief im Ursprungsland
gleich als ungenügend frankiert gekennzeichnet worden wäre.
6 Cents auf Brief für den direkten Weg über Bremen
oder Hamburg richtig frankiert. Möglicherweise durch den angegebenen
Schiffsnamen "Baltic", der die Beförderung mit der White Star Line
vorsah, oder aber wegen der englischen Anschrift, wurde der Brief in
New York rückseitig mit dem roten Stempel NEW YORK APR 18 PAID TO
ENGLAND versehen und entsprechend über Queenstone nach London
befördert und dort mit dem zweizeiligen Stempel "PAID ONLY TO
ENGLAND" gestempelt. Am 30.4. wurde er über Ostende nach Dresden
befördert, wo eine Nachgebühr von 5 Groschen erhoben wurde, dem
Porto für unfrankierte Briefe aus England.
Wäre der Brief in New York als unzureichend
frankiert deklariert worden, hätte der Empfänger in Dresden nur eine
Nachgebühr von 3½ Groschen zahlen müssen. Diese errechnet sich aus
dem Porto für unfrankierte Briefe über England von 6 Groschen
abzüglich der verklebten Frankatur (6 Cents = 2½ Groschen).
Irrtümliche Leitung nach England und
Kennzeichnung der Weitersendung als unfrankierter Brief mit und ohne
Hinweisstempel
2½ statt 3 Gr. auf Brief via England nach USA. Der
Brief wurde möglicherweise als Brief nach England angesehen und
daher mit dem roten PD Stempel für die korrekte Frankatur dorthin
gestempelt. In London erkannte man den Irrtum, stempelte mit dem
Zweizeiler PAID ONLY TO ENGLAND und sandte den Brief mit dem Schiff
"Samaria" der Cunard Line ab Liverpool 29.7.1873 in die USA.
Der mit 12 Kreuzer (Viererblock der 3 Kr.-Marke,
kleiner Schild) statt 10 Kr. frankierte Brief der 1. Gew. Stufe via
England nach Newark, New Jersey (USA) ist irrtümlich nach Newark in
England gesandt worden und mit dem roten PD Stempel als ausreichend
frankiert deklariert. In England erkannte man den Irrtum und
beförderte den Brief ohne Anrechnung der Frankatur als unfrankiert
mit dem Dampfer "Calabria" der Cunard Line am 20.8.1872 von
Liverpool nach New York.
Beide Briefe tragen den Eingangsstempel NEW YORK
AUG 10 (bzw. 30) X, eine gestrichene Taxzahl "2" und die schwarze
Taxzahl "5" (Pence) für unfrankierte Briefe von England in die
Vereinigten Staaten von Amerika. |