| Postverkehr zwischen dem Gebiet der Deutschen
Reichspost und den Vereinigten Staaten von Amerika 4.5.1871 -
31.12.1875 von Hansmichael
Krug, Frankfurt am Main
Die Verfassung des Deutschen Reiches trat am 4.5.1871 in Kraft, so
dass die Marken des Norddeutschen Bundes ab diesem Datum als Marken
der Deutschen Reichspost anzusehen sind. Erst am 1.1.1872 wurden
Marken mit der Inschrift "Deutsche Reichspost" herausgegeben
(Brustschildausgaben).
Einführung und Interpretation der
Transitwege

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Tabellarische Übersicht der
Briefgebühr von Deutschland nach USA vom 1.7.1870 - 1.7.1875 |
Bestimmung des Transitweges durch Kenntnis der
verschiedenen FRANCO-Stempel
Ein klug ausgedachtes Speditionsverfahren
ermöglichte es, lange Wartezeiten auf abgehende Schiffsgelegenheiten
nach den Vereinigten Staaten zu vermeiden.
Jeden Mittwochvormittag ging ein Dampfer der HAPAG
von Hamburg und jeden Samstagvormittag ein Dampfer des Norddeutschen
Lloyd von Bremen aus nach New York ab.
Diese Schiffsgelegenheiten wurden ab Anfang 1874
durch Dampfer der Adler Line erweitert, welche von Hamburg aus
14-tägig jeweils donnerstags abgingen. Im März 1875 fusionierte
diese Gesellschaft mit der HAPAG, die daraufhin die
Donnerstagsfahrten einstellte.
Nicht der Aufgabestempel gibt daher Auskunft über
den Transitweg, sondern der Wochentag der Aufgabe bestimmte, ob die
Korrespondenzen über Bremen oder über Hamburg transitiert wurden.
Diese beiden Wege wurden ergänzt durch den
teureren Transit über Aachen via Belgien und Großbritannien mit
englischen Dampfern.
Zur Bestätigung der ausreichenden Frankatur wurden
alle Briefe nach den USA bei den Auswechslungspostämtern bis Anfang
1874 mit einem FRANCO-Stempel gekennzeichnet. Deren unterschiedliche
Formen und Farben lassen erkennen, auf welchem Weg ein Brief
tatsächlich befördert worden ist. Durch das hohe Postaufkommen
wurden mehrere FRANCO-Stempel gleichzeitig eingesetzt bzw. ab 1874
überhaupt nicht mehr verwendet, was die Zuordnung zu einem der
Transitwege erheblich erschwert.
In fast allen Fällen kann man den Eingangsstempel
von New York, der in roter Stempelfarbe meist vorderseitig
aufgesetzt ist, zu Hilfe nehmen und anhand der Schifffahrtslisten
feststellen, mit welchem Dampfer der Brief angekommen ist (siehe W.
Hubbard / R. F. Winter "North Atlantic Mail Sailings 1840 - 1875").

Der Brief mit dem Hufeisenstempel von HAMBURG
27.Juni.73 (Freitag) wurde nicht über Hamburg, sondern am nächsten
Tag über Bremen mit dem Dampfer "Deutschland" des Norddeutschen
Lloyd nach New York befördert, denn der nächste Dampfer ab Hamburg
wäre erst 5 Tage später abgegangen. Dass der Transit tatsächlich
über Bremen erfolgte, zeigt der grauschwarze Einzeiler FRANCO von
Bremen, sowie das Datum des roten Kreisstempel von NEW YORK JUL 13
PAID ALL. Beide Stempel bestätigen die ausreichende Frankatur.
Die FRANCO-Stempel können aufgrund ihrer Form und Stempelfarbe den 4
Transitwegen wie folgt zugeordnet werden:


Der Brief mit dem blauen Kreisstempel von BREMEN
26 9 1872 (Donnerstag) wurde nicht über Bremen, sondern auf Wunsch
des Absenders über Aachen - Ostende - London - Queenstown und von
dort mit der Cunard Line per Dampfer "Russia" nach New York
befördert. Diesen Beförderungsweg bestätigen sowohl der Ra1
"Franco." als auch der rote Kreisstempel NEW YORK OCT 9 PAID ALL.
Bei einer Beförderung über Bremen wäre der Brief erst drei Tage
später dort eingetroffen.
Für diesen Beförderungsweg waren die Porti durch
die zusätzlichen belgischen und englischen Transitgebühren stets
höher als auf dem direkten Transit über Bremen, Hamburg oder
Stettin. |