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 Die Schlacht bei Lutter am Barenberge am 27. August 1626    zurück

Die Dreihundertfünfzigjahrfeier des Westfälischen Friedens ist Anlass, sich der entscheidenden Schlachten des Dreißigjährigen Krieges zu erinnern. Ein malerisches Dorf am Rande des Harzes erhielt durch die Schlacht bei Lutter am Barenberge europäische Bedeutung.

Im Frühling und Sommer 1626 standen sich in Norddeutschland die Heere der protestantischen und katholischen Fürsten gegenüber. Tilly, der Feldherr der katholischen Liga, befand sich mit seinen Truppen im oberen und mittleren Leinetal, Wallenstein, des Kaisers Generalissimus, stand jenseits des Harzes bei Magdeburg / Halberstadt. Der Dänenkönig Christian IV, Feldherr des Niedersächsischen Kreises, hielt die Festung Wolfenbüttel.

Anfang August erhielt Christian die Kunde, dass Wallenstein mit seinen Truppen nach Schlesien abgerückt sei. Damit bekam er die Chance mit seinem zahlenmäßig Tilly überlegenem Heere, die Truppen der katholischen Liga vernichtend zu schlagen, Norddeutschland für den Protestantismus zu sichern und seinen Siegeszug nach Süddeutschland fortzusetzen. König Christian verließ mit seinen Truppen Wolfenbüttel, erreichte am 2. August Lutter am Barenberge und konnte das von Tilly belagerte Northeim befeien. Tilly musste sich zurückziehen. Diese Entwicklung war Wallenstein jedoch nicht verborgen geblieben. Ein Teil seiner Truppen wandten sich über den Harz wieder nach Westen. Christian wollte sie vor Göttingen abfangen und dann weiter gegen Tilly kämpfen.


 

König Christian von Dänemark und Norwegen 1577 - 1648

Reiterstandbild des Königs vor dem Schloss Frederiksborg

Doch die Fernaufklärung war damals mangelhaft. Zu spät erfuhr Christian, dass es am 22. August zur Vereinigung der Truppen des Kaisers mit denen Tillys gekommen war. Der König versuchte mit seinem Heer die schützende Festung Wolfenbüttel zu erreichen, am 24. August begann er den Rückzug, ohne dass ihm Tilly folgte, am 25. August gönnte Christian seinen Truppen einen Ruhetag, doch Tilly schloss auf!

Am 26. August standen sich die Heere bei Seesen gegenüber. In der Nacht zum 27. August versuchte Christian wiederum eine Absetzbewegung, doch Tillys Späher waren wachsam, die vereinigten Truppen der Liga und des Kaisers setzten nach.

Der König musste einsehen, dass ein weiterer Rückzug nach Wolfenbüttel undurchführbar war. Er stellte sich zur Schlacht als er ein halbwegs günstiges Gelände bei Lutter am Barenberge erreicht hatte. Tilly konnte dank seiner zahlenmäßigen Überlegenheit die Flügel seiner Schlachtordnung stark machen und gewann dort nach anfänglichen Verlusten schnell die Überhand. Im Zentrum des Geschehens hatte Christian seine Hauptmacht postiert und stand kurz vor einem Durchbruch durch die Kampflinien Tillys, dessen Truppen und Tross dort bereits in wilder Unordnung die Flucht ergriffen hatten. Als jedoch die unerfahrenen Kämpfer des Königs in das Feuer gut getarnter feindlicher Geschütze gerieten, stockte ihr Angriff. Tilly konnte die Verwirrung nutzen, seine Infanterie neu zu formieren und zum Angriff führen. Die königliche Kavallerie geriet in einen Hinterhalt, sie wurde aufgerieben. Die Schlacht war für Christian verloren.

Der König geriet sogar in die Gefahr der Gefangennahme. Sein Pferd wurde jedoch dabei unter ihm weggeschossen, so entkam er in der allgemeinen Verwirrung. Nur wenige der Geschlagenen erreichten Wolfenbüttel. Flüchtige, die sich in die Burg Lutter zurückgezogen hatten, wurden gestellt, getötet oder gefangen genommen.

Lutter am Barenberge im Jahre 1630

Auch die Sieger waren durch die Anstrengungen der Kämpfe und Märsche in den heißen Augusttagen am Ende ihrer Kräfte. Die Verpflegung war schlecht, denn die "Bagage" konnte den Ereignissen nicht schnell genug folgen.

Die Niederlage des Königs war umfassend, 10 000 Kämpfer waren gefallen, 2100 in Gefangenschaft geraten. Tilly hatte nur einige hundert Opfer zu beklagen und gewaltige Beute an Gefangenen, Feldzeichen und Material gemacht.

Den Westfälischen Frieden erlebte Christian nicht mehr. Er verstarb im Jahre 1648.

Im Jahre 1630 wurde Tilly nach der Absetzung Wallensteins Generalissimus der vereinigten Truppen der katholischen Liga und des Kaisers. Im 73. Lebensjahr fiel er im Kampf gegen die Schweden in Rain am Lech.

König Christian gab 1624 seinem
Herrschaftsbereich eine Postordnung.
Davon kündet der 100 Ore-Wert des
Briefmarkenblocks zur HAFNIA 1987.

 

Die Folgen für den Protestantismus waren gravierend. Tilly konnte den Machtbereich der Liga bis an die Ostsee und Jütland ausdehnen. Christian musste 1629 dem Diktatfrieden von Lübeck zustimmen. Kaiser Ferdinand II hatte am 6.3.1629 das "Restitutionsedikt" erlassen mit dem Ziel, den Protestantismus im Reich zu vernichten. Aber er hatte überzogen, sogar katholische Fürsten widersetzten sich, die um ihren Einfluss bangten. Wallenstein musste er fallen lassen.

Der Kaiser hatte mit seiner Politik die nordeuropäischen Länder herausgefordert. König Gustav II Adolf von Schweden landete am 4.7.1630 auf Usedom mit 14 000 Mann und begann einen grandiosen Feldzug. Aber auch sein Eingreifen führte zu keiner Entscheidung.

Lutter,
Dorfteich mit Domäne und Kirche

Hätte Christian die Schlacht bei Lutter am Barenberge gewonnen, vielleicht wäre dem Lande die große Not des langen Krieges erspart geblieben. Die Opfer lassen sich heute nicht genau angeben. Der Historiker Johannes Scherr errechnete, dass 1976 Schlösser, 1629 Städte und 18310 Dörfer zerstört wurden. Von etwa 17 Millionen Deutschen (1618) überlebten nur 4 Millionen den Krieg.

Postgeschichtliches

250 Jahre Posthof im Flecken Lutter am Barenberge.
Briefmarkensammler-Verein Lutter von 1948

König Christian IV ist in die Geschichte nicht nur als unglücklicher Feldherr, sondern als Förderer von Handel und Industrie und als Reformer von Gesetzgebung und Verwaltung hervorgegangen.

Lutter am Barenberge verfügt über eine der ältesten Poststellen im ehemaligen Herzogtum Braunschweig. Noch heute befindet sich die Filiale der Deutschen Post AG im gleichen Gebäude wie vor 250 Jahren.