| Lazaretteinrichtungen im 1. Weltkrieg
Rolf Bechtler
1. Allgemeines
Auf den meisten Feldpostbelegen des Ersten
Weltkrieges findet man zusätzlich zu den Stempeln der Feldpost noch
Formations- oder Dienststempel der Einheit des Absenders. Durch
diese Stempel wurde die Feldpostberechtigung des Absenders
bestätigt. Die Briefe und Karten waren damit gebührenfrei.
Auch die Lazarette waren mit solchen Stempeln ausgerüstet. Die
Reichspost beförderte die mit "Feldpost" und "Dienststempel"
kenntlich gemachte Post gebührenfrei.
Für den Heimatsammler stellen sie eine umfangreiche Quelle seiner
Recherchen zur Militärgeschichte dar, zumal das Thema 1. Weltkrieg
häufig nicht detailliert in der entsprechenden Heimatliteratur
abgehandelt wurde.
Als Einleitung soll der folgende Auszug aus
"Militärärztlicher Dienstunterricht ….." aus dem Jahr 1915 dienen.
In diesem Unterrichtsbuch finden sich viele Definitionen
militärischer Ausdrücke und Aufgabenbeschreibungen einzelner
Dienststellen des Sanitätswesens.
Sanitätsdienst im Heimatgebiet
§ 124
Behörden und Lazarettwesen
1. Für den Sanitätsdienst …..
2. Das gesamte Sanitätswesen wird von der Medizinalabteilung des
Kriegsministeriums geleitet.
Jedem stellvertretendem Generalkommando gehört ein stellvertretender
Korpsarzt an. Ihm unterstehen auch alle Einrichtungen der
freiwilligen Krankenpflege, z.B. die Vereinslazarette usw.,
die er häufig zu besichtigen hat. …..
Sämtliche in Betrieb bleibenden Militärlazarette,
die der Festungen ausgenommen, führen mit Eintritt der Mobilmachung
den Namen Reservelazarette. Weitere Reservelazarette werden
neu angelegt. Die nötigen Vorbereitungen werden schon im Frieden so
getroffen, daß ein Teil dieser Lazarette bis zum 10.
Mobilmachungstag hergerichtet werden kann.
…..
Trier hatte als frontnahe Garnison eine große Bedeutung für die
Pflege und Betreuung der verwundeten Soldaten. Zu Beginn des Krieges
wurden zusätzlich zu den vorhandenen zivilen Krankenhäusern und dem
bestehenden Garnisonlazarett, 8 Reservelazarette eingerichtet. Die
von verschiedenen Orden/Vereinen geführten zivilen Krankenhäuser
wurden als Vereinslazarette genutzt. Die Vereinslazarette wurden in
die militärische Organisation eingegliedert, und unterstanden dem
stellvertretenden Korpsarzt des VIII. Armeekorps, blieben aber unter
selbständiger Verwaltung der Betreiber.
Außerdem wurde Ende September 1914 ein
Genesungsheim im Cafe Weisshaus eingerichtet. Die Genesungsheime
dienten zur Aufnahme und ärztlichen Behandlung solcher
Unteroffiziere und Mannschaften, deren körperlicher Zustand den
Anstrengungen des Dienstes zeitweilig nicht gewachsen war, für die
aber eine weitere Behandlung im Lazarett nicht oder nicht mehr
unbedingt notwendig war.
Insbesondere wurden hier Genesende nach schweren Krankheiten wie
Lungen- und Brustfellentzündung, Diphterie, Thyphus, Ruhr usw.
aufgenommen.
Auch innerhalb der Truppe gab es
Genesungseinheiten. Nach einem längeren Lazarettaufenthalt wurden
die Soldaten häufig zunächst in eine "Genesungseinheit" versetzt, in
der sie wieder für Kampfeinsätze fit gemacht wurden.
2. Die Lazarette in Trier
Auflistung der Lazarette
- Garnisonlazarett Irminenfreihof
- Reservelazarett I Irminenfreihof
- Reservelazarett Ia Treviris
- Reservelazarett II Palastkaserne
und Agnetenkaserne
- Reservelazarett III Hornkaserne
oder Palastkaserne
- Reservelazarett IV Hornkaserne
- Reservelazarett V Städtische
Kaserne Trier West
- Reservelazarett VI "161er" Kaserne
und Devora Schule
- Reservelazarett VII Goebenkaserne
- Reservelazarett VIII
Priesterseminar / Brüderkrankenhaus
- Vereinslazarett I
Redemptoristenkloster St. Joseph
- Vereinslazarett II Evangelisches
Krankenhaus
- Vereinslazarett III
Marienkrankenhaus
- Vereinslazarett IV Mutterhaus der
Borromäerinnen
- Vereinslazarett V Herz Jesu
Krankenhaus
- Vereinslazarett VI St. Josephstift
- Vereinslazarett VII Kloster vom
Guten Hirten
- Vereinslazarett VIII Krankenhaus
der Barmherzigen Brüder
Des weiteren war auch im Böhmerkloster ab
Kriegsbeginn ein Militärlazarett eingerichtet. Im Oktober 1915 wurde
der Lazarettbetrieb eingestellt. Die Bezeichnung des Lazarettes,
Stempel oder Belege mit entsprechender Absenderangabe sind bis jetzt
nicht bekannt.
Bis jetzt sind mir 43 verschiedene Stempel Trierer
Lazarette bekannt.
Im folgenden werden einige Belege von
verschiedenen Lazaretten gezeigt. Da sich die Stempel im Großen und
Ganzen ähnlich sind, wurde bewußt auf eine Gesamtdarstellung
verzichtet.
2.1 Reservelazarette
Trier
Garnison-Lazarett
Irminenfreihof 8
Eingerichtet wurde das Garnisonlazarett vor dem I.
Weltkrieg. Hier befand sich auch die "Auskunftszentrale über
Verwundete".
Zwei verschiedene Briefstempel sind bekannt:
- Königl. Pr. Garnisonlazarett Trier
- Garnisonlazarett Trier
Trier
Reservelazarett I
Das Reservelazarett I war in der Liegenschaft des
Garnison-Lazarettes eingerichtet und untergebracht. Es liegen Belege
vor, die sowohl den Briefstempel Reserve-Lazarett I und zusätzlich
den Briefstempel Garnison-Lazarett tragen. Außerdem gibt es auf
mindestens 1 Beleg die Abs. Angabe z. Zt. Garnisonlazarett (Res.Laz.
I) und den Briefstempel des Garnison-Lazarettes. Dies läßt darauf
schließen, daß für beide Einrichtungen eine Poststelle zuständig
war, und die Umbenennung gemäß der oben zitierten Weisung (§124)
zwar durchgeführt wurde, aber beide Bezeichnungen nebeneinander
verwendet wurden.
Trier
Reserve-Lazarett Ia
Das Reserve-Lazarett Ia wurde in der Treviris
eingerichtet.
Es liegen zwei Karten mit Abs. Angabe "Reserve-Lazarett I" vor,
außerdem findet man auf der Bildseite von AK mit Motiv Treviris den
Eindruck "Reserve-Lazarett I Treviris"
Nummerierung Ia, Abs. Angaben und AK Motiv mit
Eindruck lassen den Schluß zu, daß dieses Reservelazarett eine
Außenstelle des Reservelazarettes I war. Ob auch die Post über die
Poststelle des Garnisonlazarettes abgewickelt wurde, kann noch nicht
gesagt werden. Hier fehlen noch Belege.

Trier
Reservelazarett II
Das Reservelazarett II war in der Palastkaserne
und in der Agnetenkaserne eingerichtet. Es liegen sowohl Karten mit
Abs. Angabe ResLaz II, Palastkaserne und Karten mit Abs. Angabe
ResLaz II, Agnetenkaserne vor.
Zur Zeit sind zwei verschiedene Stempel bekannt:
- Königl. Pr. Reservelazarett II
- Briefstempel Res.-Laz- II. Trier

2.2 Vereinslazarette
Trier
Vereinslazarett III
Marienkrankenhaus
Paulinstraße
Mit Ausbruch des I. Weltkrieges wurde das
Marienkrankenhaus als Militärlazarett eingerichtet, und ein
bedeutender Teil der Räumlichkeiten für Verwundete in Beschlag
genommen. Es gab auch eine Station für Ruhrkranke. Obwohl noch keine
Belege aus den Jahren 1917 und 1918 vorliegen, ist anzunehmen, daß
das Marienkrankenhaus während des Krieges durchgängig als
Militärlazarett genutzt wurde.
Das Krankenhaus gehörte dem Orden der
Franziskanerinnen. Es sind zwei verschiedene Ordensstempel bekannt,
die auf Feldpostbelegen abgeschlagen sind. Sie bestätigten die
Portofreiheit für die Patienten und das Personal.
Trier
Vereinslazarett V
Herz Jesu Krankenhaus
Friedrich Wilhelm Straße
Von Beginn bis zum Ende des Ersten Weltkrieges
wurde das Herz Jesu Krankenhaus als Militärlazarett genutzt. Es
liegen Belege aus den Jahren 1915, 1916, 1917 und 1918 mit
Lazarettstempel vor. Zur Zeit sind zwei verschiedene Lazarettstempel
und ein Ordensstempel (Beleg von 1914) bekannt.
Das Krankenhaus gehörte dem Orden der Franziskanessen.
Trier
Vereinslazarett VI
St. Josephstift
(Josefsschwestern)
Franz Ludwigstraße
Gemäß der Beleglage wurde das St. Josephstift
während der gesamten Kriegszeit als Militärlazarett genutzt. Zur
Zeit sind drei verschiedene Lazarettstempel und ein Ordensstempel
bekannt. Der Stempel "Res. Lazarett Verwaltung St: Josephsstift"
gibt noch Rätsel auf. Vielleicht wurde ja aus Unwissenheit ein
falscher Stempeltext geschnitten.
2.3 Genesungsheim
Trier
- Genesungsheim Weisshaus
Das Cafe Weißhaus wurde Ende September 1914 in ein
Genesungsheim umgewandelt. In der Halle des Cafes standen 50 Betten
bereit, zur Betreuung fanden Vorlesungs- und Musikdarbietungen
statt.
Zur Zeit sind zwei Stempel bekannt.
Auch innerhalb des Krankenhausbereichs des
Vereinslazarettes VIII bestand ein Genesungsheim. Briefstempel sind
bisher noch keine bekannt, auf mehreren Ansichtskarten findet sich
aber eine Abbildung des Gebäudes. Vermutlich wurde die Post über das
Vereinslazarett VIII abgewickelt und mit dessen Dienststempel
versehen.

3. Krankentransportwesen / Lazarettzüge
Verwundete Soldaten wurden im Operationsgebiet
zunächst in Feldlazaretten versorgt und anschließend, je nach
Schwere der Verwundung, mit Kraftfahrzeugen zum Etappenhauptort
verlegt. Von dort wurden Lazarettzüge zum Weitertransport ins
Heimatgebiet eingesetzt. Die Lazarettzüge waren für Liegendkranke
ausgestattet und hatten teilweise einen Chefarzt an Bord.
Krankenzüge waren reine Transportzüge für alle Verwundeten, die
nicht liegend transportiert werden mußten.
An den Bahnhöfen waren neben Krankensammelstellen auch
Verpflegungsstationen und Verband- und Erfrischungsstellen
eingerichtet.
- Vereinslazarettzug "Trier F1"
- Krankenzug Z3
Der Vereinslazarettzug "Trier F1" wurde im Oktober
1914 aufgestellt. Stiftung und erste Ausstattung hatten der
Zweigverein vom Roten Kreuz und Vaterländischer Frauenverein Trier
übernommen. Es befand sich kein Chefarzt im Lazarettzug.
Bislang sind keine Stempel vom Vereinslazarettzug "Trier" bekannt,
sondern nur zwei verschiedene AK mit Bildmotiven vom Zuginnern.

Krankenzüge wurden unter Vermittlung der
Krankentransportabteilungen von den Eisenbahnbehörden bei Bedarf aus
Personenwaggons zusammengestellt, das begleitende Pflegepersonal
gehörte zum Bestand der Freiwilligen Krankenpflege. Sie pendelten
zwischen dem Etappengebiet und dem im Heimatgebiet jeweils
zuständigen Sanitäts-Transport-Kommissar.

Der Sanitätstransportkommissar war zuständig für
die Koordinierung der Verwundetentransporte. Die Dienststelle befand
sich innerhalb des Bereiches des Reservelazaretts V., wo auch eine
Krankensammelstelle mit Übernachtungsmöglichkeit eingerichtet war.
Zur Zeit sind zwei verschiedene Stempel dieser Dienststelle bekannt.
An Hand der Stempeldaten (1915 und 1918) kann vermutet werden, daß
sie während des gesamten Krieges bestanden hat.
In seine Zuständigkeit fiel auch die Aufstellung und der Einsatz des
Krankenzuges "Trier". Vom Kr-Zug TRIER ist noch kein
Formationsstempel bekannt.

4. Genesungseinheiten bei der Truppe
Soldaten, deren Verletzungen oder Krankheiten
auskuriert waren, die aber noch nicht voll dienstfähig waren, wurden
zunächst in Genesendenkompanien / -batterien eingesetzt. Hier
verrichteten sie leichte Tätigkeiten bis sie wieder für den Dienst
an der Front tauglich waren.
Verschiedene Formationsstempel Genes.Komp. d.
Ers.Masch.Gew. Komp. VIII AK. Trier
Verzeichnis der Abbildungen
Alle Abbildungen stammen aus der Sammlung und dem
Archiv des Verfassers.
Verwendete Literatur
- Kowalk, Militärärztlicher Dienstunterricht, 11.
Auflage, Berlin 1915, E.S. Mittler & Sohn
- Emil Zenz, Geschichte der Stadt Trier Bd. 2
1914-1927
- Arbeitsgemeinschaft Deutsche Feldpost
1914-1918: 9/82 Sanitätseinrichtungen im Weltkrieg 1914/18
- Stempelkatalog Trier Teil II "Stempel der
Sanitäts- und Betreuungseinrichtungen 1914/18" (Arbeitspapier des
Verfassers, nicht veröffentlicht)
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