| Herzog Magnus ließ sich in Braunschweig von der
Judenhetze nicht anstecken. Er war auf die jährlichen Abgaben seiner
Schutzbefohlenen angewiesen. Am 27. März 1349 verfügte er, dass ein
Jude nur dann zu strafen sei, wenn er durch 4 unbescholtene Männer,
2 Christen und 2 Juden, überführt oder auf frischer Tat ertappt
worden sei.

Die Pest suchte Braunschweig 1350 heim und
richtete in der Stadt große Verheerungen an. Das Barfüßerkloster der
Franziskaner war bis auf einen Mönch ausgestorben. Der gemeine Rat
beschloss 1350, dass jährlich am St. Autors-Tag eine Prozession zum
Aegidienkloster stattfinden solle und dem Heiligen 5 Wachslichte zu
verehren seien. Der Rat des Hagen gründete vor dem Wendentore das
Hospital St. Jadoci, in das arme Leute aufgenommen werden sollten,
die obdachlos auf der Straße liegend gefunden wurden.
Die Konzentration des Wirtschaftslebens auf die
Städte führte dazu, dass der
Landadel verarmte. Er wurde zum Raubritter, mit der Folge, dass für
die Städte große Kosten zur Sicherung der Handelswege anfielen.
Trotzdem kam es immer wieder zu Überfällen der Raubritter aus der
Umgebung:
Heinrich von Wenden raubte 1360 Braunschweiger
Bürgern 15 Tonnen Hering,
Hennig von Gustidde nahm 1361 einem Bürger drei Last Heringe ab,
Straßenraub erleichterte 1362 einen Kaufmann der Neustadt um:
- 450 Pfund Mandeln,
- 200 Pfund Reis,
- ein Faß Stör und
- 4 Tönnchen Hering.
der Bischof von Hildesheim raubte 1363 vom
Kirchhof in Eggelsen Waren
Braunschweiger Bürger.
Das Raubritterunwesen veranlasste die Städte zu
erhöhten Sicherheitsmaßnahmen. Seit 1345 hielt sich die Stadt
Armbrustschützen als Söldner. Bürgern wurden Strafen erlassen, wenn
sie sich verpflichteten, Waffendienst zu leisten oder einen "guten
Knecht" zu stellen. Die kleine Armee von ca. 300 Mann bewaffnete
sich auch mit Angriffswaffen, wie Geschütze und Belagerungsgerät. So
brachte die Stadt Braunschweig von 1331 bis 1365 mehrere Burgen der
Umgebung in ihren Besitz. Etwa 50 bis 60 % der städtischen Einnahmen
gingen in den "Verteidigungshaushalt".
Der Braunschweiger Herzog hatte am 10. November
1373 Pech. Er wollte seine
Rechte gegen den Erzbischof von Magdeburg verteidigen, der am Elm in
Braunschweiger Territorium eingefallen war, erlitt aber eine
Niederlage, kam mit einer Anzahl reichster Bürger Braunschweigs in
Gefangenschaft und musste ein gewaltiges Lösegeld für die
Freilassung bezahlen, das die Wirtschaftskraft der Stadt überstieg.
Die Steuern mussten erhöht werden. Die Wut der
Betroffenen kannte kein Maß, es kam am 17. April 1374 zum Aufstand,
der 5 Tage dauerte. Acht reiche Bürger verloren ihr Leben, Häuser
von Ratsherren wurden niedergebrannt, andere erhielten Hausarrest
und wurden ihrer Vermögen beraubt..
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Wappen der Altewiek |
Der Stadtteil Altewiek konnte sich aus dem
Konflikt heraushalten.
Hänselmann, Chronist, schrieb 1864 über den Braunschweiger Aufstand
von 1374: "zweierlei Übel waren es, an denen dieselbe damals mehr
oder minder in den Städten krankte: parteiisch Gericht und harter
Steuerdruck; und um nichts weniger als anderswo wirkten deren
Grundursachen auch in Braunschweig".
In 600 Jahren hat sich kaum etwas geändert!
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Sogar Karl IV, der sich in der
kaiserlichen Residenz von Tangermünde aufhielt, mahnte den Rat
"von Mord und Ungericht" abzusehen und die Instanz der Fürsten
und Städte
anzurufen. |
Die Hanse warf Braunschweig 1375 aus ihrem Verband
und nahm die Stadt erst wieder auf, nachdem Buße getan, bzw.
versprochen wurde und die Stadt die Rechte der reichen Familien
wiederhergestellt hatte. Sogar eine Pilgerfahrt nach Rom war
ausbedungen worden. Die Stadt kam kurzfristig unter
Zwangsverwaltung.
Literatur:
- Stadtarchiv
- "Geschichte mit Pfiff", 10/91
- "Die Deutsche Geschichte" SAT 1, 1989
- Brockhaus Enzyklopädie
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