| Harald Lang: Die
Verwendung blauer Stempelfarbe in den Jahren 1863 - 1869
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| 1. |
Der "Taxis" Stempel |
| 1.1 |
Die Verwendung als Aufgabestempel |
| 1.2 |
Die Verwendung als Ankunftstempel |
| 1.3 |
Nachverwendung auf preußischen
Freimarken |
| 2. |
Der "Preußen" Stempel |
| 2.1 |
Entwertungsstempel auf
preußischen Freimarken |
| 2.2 |
Entwertungsstempel auf NDP
Freimarken |
| 2.3 |
Die Verwendung als Aufgabestempel |
| 2.4 |
Die Verwendung als Ankunftstempel |
Die Eröffnung einer Poststation geht auf das Jahr
1799 zurück. Anfangs eine kaiserliche Reichspostanstalt und ab 1803,
als Hochheim an Nassau-Usingen fiel, eine fürstlich Thurn- und
Taxissche Lehenspostanstalt der Fürsten zu Nassau-Usingen. Ab
30.08.1806 wechselte die Herrschaft zum neu gegründeten Herzogtum
Nassau durch Zusammenlegung der Fürstentümer Nassau-Usingen und
Nassau-Weilburg.
Nach dem Deutsch-Deutschen Krieg 1866 wurde das
Herzogtum von Preußen annektiert und die Postrechte gingen de facto
am 01.07.1867 an die preußische Postverwaltung über. Am 01.01.1868
übernahm der Norddeutsche Postbezirk unter Federführung Preußens die
Postrechte.
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Die Karte zeigt das Herzogtum
Nassau um 1850. Hochheim liegt am Main an der südlichen Grenze
zum Großherzogtum Hessen. |
Die "Blaustempelphase" mit zwei unterschiedlichen
Stempeln fiel unter diese 3 (Thurn & Taxis – Preußen – Norddeutscher
Postbezirk) Posthoheiten in den Jahren 1863-1869. Zusätzlich zu den
ständig wechselnden Postverwaltungen kam die Währungsumstellung von
der Gulden/Kreuzer auf die Thaler/Groschen Währung. Eine bewegende
Zeit für den Postexpeditor Joseph Eduard Kunz (Expeditor 1847-1877).
1.1 Aufgabestempel
Ortsaufgabestempel dienen zur Dokumentation des
Aufgabeortes. Das Auslieferungspostamt konnte anhand der
Stempeldaten die Gebühr nachrechnen. Der Empfänger erhielt
zusätzlich mit der Angabe des Datums (teilweise mit Uhrzeit) die
Möglichkeit, die Laufzeit zu kontrollieren und die
Leistungsfähigkeit der Post einzuschätzen.
Der erste der beiden nachgewiesenen blauen
Aufgabestempel ist der "Taxis" Stempel, eingeführt zur Zeit als die
fürstlichen Herren zu Thurn und Taxis das Postregal im Herzogtum
Nassau ausübten.
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Die Schrift ist beim Stempel Nr.
1 in Antiqua gehalten. Die Verwendungszeiten basieren auf eigene
Forschungen und sind fundiert. Kursiv gestellte Inhalte sind
veränderbare Stempeleinsätze. |
Die Stempelfarbe wechselte erstmalig am 15.12.1863
nach Blau. Vorgeschrieben war schwarze Farbe. Anscheinend wurde aber
die Farbstempelung von der Postverwaltung toleriert, wie die über
5-jährige Verwendung belegt. Warum Postexpeditor Kunz eine andere
Farbe wählte bleibt ein Rätsel. Hochheim ist kein Einzelfall, denn
von einigen anderen Postorten des Herzogtums Nassau sind
Blaustempelungen belegt. Schwarze Farbe herzustellen war damals
keine Schwierigkeit. Eine Empfehlung der Postverwaltung spricht von
"mit Leinöl versetzte Buchdruckerschwärze unter Zusatz von Kienruß".
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Einfacher Brief bis
unter 1 Loth über 20 Meilen nach Creuzburg in Schlesien vom
11.03.1867. Postvereinstaxe vom 01.10.1851 über 9 Kreuzer.
Leitweg über Höchst a.M. und Frankfurt nach Preußen. |
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Portofreier Dienstbrief nach
Hofheim Amt Höchst vom 26.01.1866 über Hattersheim gelaufen. Der
Aufgabestempel weist hier ein deutlich dunkleres, kräftigeres
Blau auf und zeigt deutliche Abnutzungserscheinungen.
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"Charge" Brief nach
Münster (Westfalen) vom 18.11.1864. Einzelfrankatur einer 15 Kr.
Marke. Die Gebühr setzt sich aus 9 Kr. Postvereinstaxe für einen
Brief bis 1 Loth über 20 Meilen und der Einschreibgebühr von 6
Kr. zusammen. |
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Paketbegleitbrief für ein
vorausbezahltes Paket mit 2 Pfund Gewicht nach München.
Aufgabestempel vom 27.12.1863. Zusätzlich ein seltener
Paketnummernzettel. Die Gebühr von 21 Kr. war die Mindesttaxe
für ein Paket im DÖPV bis max. 3 Pfund Gewicht über 32 Meilen
Entfernung (Vertrag vom 18.08.1860). Fahrpostsendung.
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Ganzsachenumschlag vom 12.05.1866
nach Friedrichsdorf bei Frankfurt. Das Porto deckte die Gebühr
für einen Brief bis 1 Loth über 3 bis 15 Meilen ab. Diese
reduzierte Postbezirkstaxe galt im Herzogtum Nassau erst ab dem
24.01.1866.
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Dienstbrief an den Bürgermeister
zu Marxheim vom 15.12.1866. Die fehlenden Gebühren und
Portofreiheitsvermerke lassen auf einen Amtsbotenbrief
schließen. Marxheim lag im Landzustellbezirk des
Amtsbotenbezirkes von Hochheim.
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Frankobrief nach Brackwede vom
01.07.1864 portogerecht frankiert mit 9 Kreuzer. Gelaufen über
Mainz nach Bielefeld. Postvereinstarif vom 01.10. 1851für einen
Brief bis unter 1 Loth und über 20 Meilen Entfernung. |
1.2 Ankunftstempel
Ebenso wurde der Ortsstempel bei der Ankunft eines
Poststückes abgeschlagen (meist rückseitig). Wiederum ein Merkmal
zur Kontrolle für den Kunden, wann seine Sendung bei der zuständigen
Poststelle eintraf.
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Einfacher,
vorausbezahlter Brief vom 18.04.1866. Die 2 Kreuzer Gebühr
entsprechen der Postbezirkstaxe für einen Brief bis 1 Loth
Gewicht und einer Entfernung bis 3 Meilen nach der Verordnung
vom 01.09.1861. |
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Einfacher Brief bis 3 Meilen und
1 Loth Gewicht (Postbezirkstaxe ab 01.09.1861) von Mainz nach
Hochheim frankiert mit einem Paar der 1 Kreuzer IV. Auflage vom
28.10.1866. |
1.3 Nachverwendung auf Preussen
Mit dem endgültigen Übergang der Thurn und
Taxisschen Lehenspost zum 30.06.1867 an Preußen wurden für die
besetzten Gebiete, die in Gulden/Kreuzer Währung rechneten, eigens
Freimarken ausgegeben. Diese waren ab dem 01.07.1867 gültig.
Der "alte" Taxisstempel wurde noch bis zum
21.10.1867 weiterverwendet. Die Stempelfarbe wechselte ebenfalls
nicht und die Farbe Blau beherrschte weiterhin das Stempelbild. Die
Letztverwendung datiert vom 21.10.1867 also einer Gesamtzeit von 113
Tagen auf dieser Ausgabe.
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Juli Stempeldaten:
13.07.1867 bzw. 30.07.1867 |
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August Stempeldaten:
13.08.1867, 25.08.1867, 26.08.1867 |
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September
Stempeldaten:
14.09.1867, 30.09.1867 |
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Oktober Stempeldaten:
14.10.1867, 21.10.1867
November Stempeldaten:
02.11.1867 |
2.1 Entwertungsstempel auf Preußen
Am 19.11.1867 wurde erstmalig der "neue"
preußische Stempel eingesetzt (in der Spezialliteratur sind noch
frühere Daten bekannt). Weiterhin ist die Stempelfarbe Blau. Die
Gesamtzeit des Stempels lag bei 42 Tagen (bis dato) auf dieser
Ausgabe. Beim neuen Stempeltyp sind gotische Lettern zum Einsatz
gekommen.
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Es ist lediglich ein frankierter
Brief aus dieser Zeit registriert. |
Die Marken verloren ihre Gültigkeit am 31.12.1867
mit dem Übergang zum Norddeutschen Postbezirk. Die Kreuzerausgabe
war somit nur ein halbes Jahr verwendbar. Mit Ablauf des Jahres 1867
endete auch die Verwendung des Geldes in Gulden/Kreuzer Währung.
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November
Stempeldaten:
19.11.67, 22.11.67, 23.11.67 |
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Dezember
Stempeldaten:
11.12.1867 (Aufgabestempel dsgl. in Blau), 19.12.1867,
21.12.1867 |
2.2 Entwertungsstempel auf NDP
Mit Begründung des Norddeutschen Bundes und
Einführung des Norddeutschen Postbezirks unter Federführung Preußens
wurden auch eigene Marken ausgegeben. Diese waren ab dem 01.01.1868
gültig. Hochheim lag im nördlichen Bezirk und eine
Währungsumstellung von Gulden / Kreuzer auf Thaler / Silbergroschen
war die Folge.
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Einfacher Brief bis 15gr. nach
Garzweiler bei Düsseldorf im Inlandsverkehr vom 27.06.1868.
Frankiert mit 2 Marken NDP zu je ½ Groschen und entwertet mit
dem blauen Einkreisstempel Hochheim. Der Aufgabestempel wurde
ebenfalls in Blau nebengesetzt.
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Einfacher Brief vom 08.04.1869
nach Berlin. 1 Groschen Inlandsporto bis 15 gr. frankiert mit
einer 1 Groschen Marke. Die blaue Farbe weicht hier sehr stark
vom üblichen Blau ab. Weiterhin stammt der Brief aus einer Zeit,
wo bereits wieder in Schwarz gestempelt wurde.
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2.3 Aufgabestempel
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Portofreie Justiz-Sache "zurück
an das königliche Amts Gericht II zu Königstein" mit dem blauen
Einkreisstempel Hochheim als Aufgabestempel vom 14.10.1868.
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Inhalt des
Post-Behändigung-Scheines (verkleinerter Ausschnitt in Kopie).
Selbst der Siegelstempel des Postamtes Hochheim wurde in Blau
abgeschlagen.
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Portofreier
Dienstbrief nach Wiesbaden vom 19.05.1868. K.D.S. = Königliche
Dienst Sache |
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Einfacher Brief nach Cronberg vom
05.08.1868. Portofrei als königliche Dienst Sache über
Königstein gelaufen. |
2.4 Ankunftstempel
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An das königliche Amtsgericht
Hochheim I zu Hochheim als K.D.S. portofrei gelaufen von Cassel
nach Hochheim am 18.11.1867. Ankunftstempel vom 19.11.1867
rückseitig abgeschlagen. |
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Beispiele weiterer Ankunftstempel
in Kopie. |
Weitere Informationen auf der Homepage des Autors:
http://www.postgeschichte-hochheim.de/ |