| Gerhard Binder
Die wirtschafliche Entwicklung zur Industriestadt (1791-1945)
a) Tabakanbau und
Tabakverarbeitung
b) Handschuhmacher und Lederindustrie
c) Weltbekanntes Erlanger Bier
d) Die Strumpferstadt
e) Kammmachereien und Bürstenfabriken
f) Erlanger Bleistiftspitzer - weltbekannt
g) Der Aufbau einer chemischen Industrie
h) Die Entwicklung der
elektrotechnischen Industrie
a) Tabakanbau und
Tabakverarbeitung
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Reihe oben: Tabakpflanze
Reihe unten: Ernte und Veredelung
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Fuhrmannsbrief über "1 Sack
Fabrizierter Taback" aus Bruck bey Erlangen |
Wann der Tabakanbau nach Erlangen kam, ist
unbekannt. Zacharias Gechter besaß eine von drei Tabakfabriken, die
Anfang des 19. Jahrhunderts mit etwa 100 Arbeitern jährlich 7000
Zentner Rohtabak verarbeiteten und damit zweitwichtigster
Erwerbszweig waren.
b) Handschuhmacher und
Lederindustrie
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Der Straßenzug "Gerberei"
erinnert an das wegen des Geruches damals vor der Stadt gelegene
Handwerk zur Lederherstellung
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Auslandspaketkarte mit
Registrierkassen-Freimachung |
Erlangen ist die älteste deutsche
Lederhandschuh-Stadt. Bis weit ins 19. Jahrhundert blieb dieses
Handwerk ausschließlich in hugenottischer Hand. Obwohl das Sortiment
erweitert wurde, werden noch heute in kleinen Fabriken
Glacéhandschuhe hergestellt.
c) Weltbekanntes Erlanger Bier
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In der Mitte im Zierfeld: Hopfen
und Gerste.
Die Bierzutaten sind Wasser, Hefe, Hopfen (links) und Malz (=
angekeimte Gerste, rechts)
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Privatganzsachen-Umschlag der
Brauerei G. Henninger
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Bierkrüge von neun Erlanger
Brauereien
(links Firma Erich) |
Um 1830 brauten in der Stadt bis zu 18 Firmen und
führten mit jährlich 190000 hl (das waren 75 % des Ausstoßes)
dreimal mehr Bier aus als München. 90 % dieses Exportes lieferten
die beiden ältesten bayerischen Exportbrauereien Henninger und
Erich.
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Ganzsachen-Anzeigen-Umschlag der
privaten Stadtpost Stockholm
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Privat-Ganzsachenkarten der
privaten Stadtposten Erfurt und Dresden |
Durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz wurde
Erlangen in der Mitte des 19. Jahrhunderts "die" bayerische
Bierstadt überhaupt. Der außerbayerische Exportbier-Absatz ging u.
a. nach Preußen, Sachsen, in viele europäische Länder und in die
USA.
d) Die Strumpferstadt
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Amtliche Ganzsachen mit privaten
Zudrucken |
Zur Herstellung ihrer Ware benötigten die
Strumpfwirker Woll- und Baumwollzwirne. So entwickelten sich im
Umfeld der Strumpfwirkereien Zwirnereien, die wie jene als
Wohnhaus-Betriebe geführt wurden. Nur eine davon war die Firma
Hofmann & Kronbauer.
e) Kammmachereien und
Bürstenfabriken
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Amtliche Ganzsachen mit privaten
Zudrucken: Horn- und Elfenbeinkammfabriken |
Anfangs wurden Kämme nur aus Horn in
handwerklicher Fertigung hergestellt. Die 1727 gegründete Firma
Bücking führte 1825 Elfenbein und 1845 die erste Dampfmaschine
Erlangens ein. Mit jährlich 1 Mill. Kämmen wurde sie eine der
bedeutendsten in Europa.
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Mit "B.E." gelochte Marken (=
Bürstenfabrik Erlangen) auf Auslandsbrief, links.
Zweisprachiger Zulassungsvermerk zum Postverkehr auf Brief mit
Barfreimachung |
1891 übernahm Emil Kränzlein die 1831 gegründete
Bürstenfabrik Rogler. Mit Maschineneinsatz und Arbeitsteilung führte
er Erlanger Bürsten aller Art zur Weltgeltung. Das Unternehmen wird
heute noch als mittelständischer Familienbetrieb weitergeführt.
f) Erlanger Bleistiftspitzer
- weltbekannt
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Entwertung mit Freimarkenstempler |
Theodor P. Möbius erfand 1908 in Erlangen den
kegelförmig gebohrten Bleistiftspitzer, dessen Grundprinzip bisher
unverändert blieb. Mit einem jährlichen Ausstoß von über 1 Million
Stück ist Erlangen noch heute das Weltzentrum der Bleistiftspitzer.
g) Der Aufbau einer chemischen
Industrie
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Bar freigemachte
Karte mit Zulassungsvermerken zum Postverkehr
(GERMAN/GESCHÄFTLICH war bei Karten vorderseitig anzubringen)
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Postkartenabschnitt für
Empfänger, mit Registrierkassenstempel
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In den Nachinflationsjahren entstand eine
eigenständige chemische Industrie. Ihr Erfolg war stark vom
Universitätsstandort abhängig, wo der Pionier der Teerfarbenchemie,
Professor Fischer arbeitete und später mit Kautschukfarbe
experimentiert wurde.
h) Die Entwicklung der
elektrotechnischen Industrie
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Die Reinigerstraße
erinnert an den Firmengründer
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Paketkarte mit eingedruckter
Absenderangabe (links) |

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1877 begann der frühere Universitätsmechaniker E.
M. Reiniger mit der Produktion von elektro-medizinischen Apparaten
und erhielt dafür bereits 1881 erste internationale Auszeichnungen.
1895 entstand durch Fusion die Firma "Reiniger, Gebbert & Schall".
1920 begann Paul Gossen in Erlangen mit der
Produktion von elektrischen Messgeräten. Ihre Bedeutung für
Kriegs-Nachrichtentechnik ließ die Firma auf über 1000 Mitarbeiter
ansteigen. Von 1945 bis 1958 wurde die Tippa-Reiseschreibmaschine
hergestellt. |